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Interviewleitfaden

Leitfaden für Investment-Banking-Interviews

Bereite dich mit Rechnungswesen, Bewertung, DCF, M&A, LBO, Fit-Fragen und einem strukturierten Lernplan auf Investment-Banking-Interviews vor.

28 Min. Lesezeit

27 Fragen

Analyst / Associate

Aktualisiert im Mai 2026

Alle Interviewfragen ansehen

Überblick

Typische Auswahlprozesse führen von Bewerbung und HireVue oder Telefoninterview über erste Gespräche zu einem Superday mit mehreren aufeinanderfolgenden Interviews.

4–8

Interviews am Superday

~60 %

Technische Fragen

~10 %

Ungefähre Offer-Rate nach Superday

4–6 Wochen

Empfohlene Vorbereitungszeit

Was Interviewer bewerten

Technische Grundlagen: Erklärst du Rechnungswesen, Bewertung und Modellierung klar unter Druck?

Deal-Verständnis: Verfolgst du Märkte und aktuelle Transaktionen im Zielsektor?

Kommunikation: Erklärst du komplexe Zusammenhänge knapp und ohne Notizen?

Motivation: Hast du einen konkreten Grund für diese Rolle und genau diese Bank?

Team-Fit: Würde das Team in einer intensiven Live-Deal-Phase gern mit dir arbeiten?

Beginne früh mit den technischen Grundlagen

Viele Kandidaten unterschätzen die technische Tiefe von Interviews bei Bulge Brackets und Elite Boutiques. Sichere Grundlagen schaffen später mehr Zeit für Deals, Märkte und Fit.

Fragen zum Rechnungswesen

Diese Fragen prüfen, ob du die drei Abschlüsse, ihre Verknüpfungen und die wirtschaftliche Bedeutung zentraler Bilanzposten verstehst.

Wichtige Rechnungslegungsbegriffe

EBITDA

Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Häufiger operativer Vergleichs- und Bewertungsmaßstab, aber kein echter Cashflow.

Forderungen

Bereits erfasster Umsatz, der noch nicht bezahlt wurde. Forderungen stehen als Vermögenswert in der Bilanz.

Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen

Erfasste Aufwendungen, die noch nicht bezahlt wurden. Sie stehen als Verbindlichkeit in der Bilanz.

Deferred Revenue

Erhaltene Zahlung für noch nicht erbrachte Leistung. Bis zur Umsatzrealisierung bleibt sie eine Verbindlichkeit.

Net Working Capital

Operative kurzfristige Vermögenswerte abzüglich operativer kurzfristiger Verbindlichkeiten.

Konzept

Periodenabgrenzung gegenüber Cash Accounting

Nach Accrual Accounting werden Umsatz bei Leistungserbringung und Aufwand bei wirtschaftlicher Verursachung erfasst, unabhängig vom Zahlungszeitpunkt. Dadurch unterscheiden sich Net Income und tatsächliche Cash-Entwicklung.

Das Wichtigste

Beherrsche nicht nur einzelne Abschlüsse, sondern ihre Verknüpfungen. In technischen Interviews zählt die vollständige Wirkung einer Annahme auf Ergebnis, Cash und Bilanz.

Bewertungsfragen

Bewertung ist eine Kernkompetenz im Investment Banking. Fast jedes Interview enthält mindestens eine Methodenfrage mit vertiefenden Sonderfällen.

DCF

Trading Comps

Grundlage

Innerer Wert auf Basis künftiger Cashflows

Relativer Wert auf Basis aktueller Börsenmultiples ähnlicher Unternehmen

Zentrale Inputs

UFCF, WACC und Terminal Value

EV/EBITDA, EV/Revenue oder P/E vergleichbarer Unternehmen

Besonders geeignet

Reifes Geschäft mit planbaren Cashflows oder wenigen guten Comps

Viele enge Comps und schneller marktbasierter Plausibilitätscheck

Hauptschwäche

Sehr sensitiv gegenüber WACC, Terminal Value und Prognosen

Abhängig von aktueller Marktstimmung und möglicher Sektorüberbewertung

Kontrollprämie

Nur enthalten, wenn Synergien und Deal Terms modelliert werden

Nicht enthalten; basiert auf liquiden Minderheitskursen

DCF-Analyse

Du solltest einen vollständigen DCF erklären, WACC herleiten, Terminal Value berechnen und die Grenzen der Methode einordnen können.

Unverschuldeter Free Cashflow

UFCF = EBIT × (1 − Steuersatz) + D&A − Investitionsausgaben − Veränderung des Nettoumlaufvermögens

EBIT

Ergebnis vor Zinsen und Steuern

D&A

Abschreibungen; als nicht zahlungswirksamer Aufwand wieder addiert

Capex

Investitionen in langfristige Vermögenswerte

ΔNWC

Anstieg des NWC bindet Cash, Rückgang setzt Cash frei

UFCF schließt Zinsen aus und ist damit kapitalstrukturunabhängig; deshalb wird er mit WACC diskontiert.

WACC

WACC = (E/V × Ke) + (D/V × Kd × (1 − T))

E / V

Marktwert des Eigenkapitals als Anteil am Gesamtkapital

D / V

Marktwert der Schulden als Anteil am Gesamtkapital

Ke

Eigenkapitalkosten nach CAPM: Rf + β × (Rm − Rf)

Kd

Vorsteuerliche Fremdkapitalkosten

(1 − T)

Tax Shield, da Zinsen steuerlich abzugsfähig sind

Nutze Marktwerte statt Buchwerte. Eigenkapitalkosten liegen wegen des Residualrisikos über Fremdkapitalkosten.

Terminal Value – Gordon Growth

TV = FCF_n × (1 + g) / (WACC − g)

FCF_n

Free Cash Flow im letzten Prognosejahr

g

Langfristige Wachstumsrate, typischerweise etwa 2–3 Prozent

WACC − g

Muss positiv sein; bei g ≥ WACC ist die Formel nicht sinnvoll

Der Terminal Value macht oft 60–80 Prozent des DCF aus; deshalb sind Sensitivitäten für g und WACC unverzichtbar.

Ausgearbeitetes Beispiel

Einfache DCF-Bridge zum Equity Value

Ein Unternehmen erzielt im fünften Jahr 50 Mio. USD UFCF. WACC beträgt 10 %, die langfristige Wachstumsrate 2,5 %. Der Barwert der UFCFs aus Jahr 1–5 beträgt 180 Mio. USD. In der Bilanz stehen 40 Mio. USD Cash und 60 Mio. USD Debt.

1

Terminal Value

TV = $50M × (1 + 2.5%) / (10% − 2.5%) = $51.25M / 7.5% = $683M

2

Barwert des Terminal Value

Terminal Value fünf Jahre mit 10 % abzinsen: $683M / (1,10)⁵ = $683M / 1,611 ≈ $424M

3

Enterprise Value

EV = Barwert der UFCFs + Barwert des Terminal Value = $180M + $424M = $604M

4

Bridge zum Equity Value

Equity Value = EV + liquide Mittel − Schulden = $604M + $40M − $60M = $584M

Ergebnis

Der implizite Equity Value beträgt 584 Mio. USD. Der Terminal Value entspricht rund 70 Prozent des Enterprise Value und zeigt die hohe Sensitivität gegenüber g und WACC.

Das Wichtigste

Für einen DCF-Stresstest variiere zuerst WACC um ±1 Prozentpunkt und die langfristige Wachstumsrate um ±0,5 Prozentpunkte. Diese beiden Inputs erklären meist den größten Teil der Bewertungsbandbreite.

M&A-Fragen

M&A-Fragen prüfen Deal-Rationale, Transaktionsmechanik und die Abbildung einer Übernahme im Finanzmodell.

Cash Deal

Stock Deal

Finanzierung

Vorhandenes Cash oder neue Schulden

Neue Aktien für Target-Aktionäre

Steuer beim Target

Kapitalgewinn bei Closing steuerpflichtig

Kann als steuerfreie Reorganisation strukturiert werden

Verwässerung

Keine neue Aktienzahl

Neue Aktien verwässern bestehende Aktionäre

Risikoteilung

Target steigt sicher aus; Käufer trägt Risiko

Target beteiligt sich am kombinierten Unternehmen

Signal

Kann Vertrauen des Käufers signalisieren

Kann auf eine als teuer betrachtete Käuferaktie hindeuten

Bilanz

Mehr Leverage und weniger Liquidität

Kein zusätzlicher Leverage; breitere Equity Base

Das Wichtigste

Die Gegenleistung ist nie rein finanziell. Sie bestimmt Steuer, Verwässerung, Leverage und vor allem, wer das Risiko nach Closing trägt.

LBO-Grundlagen

Du solltest LBO-Mechanik, Debt Paydown, Renditetreiber und ein einfaches Sources-and-Uses- sowie Returns-Modell erklären können.

Ausgearbeitetes Beispiel

LBO-Rendite: drei Hebel

Ein PE-Fonds erwirbt ein Unternehmen für 8× LTM EBITDA von 50 Mio. USD, also 400 Mio. USD EV. Finanziert werden 280 Mio. USD Debt und 120 Mio. USD Equity. Nach fünf Jahren beträgt EBITDA 75 Mio. USD, Debt 160 Mio. USD und das Exit Multiple 9×.

1

Einstieg

EV = $400M. Eingesetztes Eigenkapital = $120M. Einstiegsmultiple = 8×. EBITDA beim Einstieg = $50M.

2

Enterprise Value beim Exit

Exit-EV = $75M EBITDA × 9× Exit-Multiple = $675M

3

Eigenkapitalerlös beim Exit

Eigenkapitalerlös = Exit-EV − verbleibende Schulden = $675M − $160M = $515M

4

MOIC

MOIC = $515M / $120M ≈ 4,3× — das eingesetzte Kapital wurde mehr als vervierfacht

5

Renditetreiber

EBITDA steigt von $50M auf $75M, Multiple von 8× auf 9× und Debt sinkt von $280M auf $160M.

Ergebnis

Die IRR liegt über fünf Jahre bei rund 34 Prozent. EBITDA-Wachstum ist der größte Treiber; Multiple Expansion und Deleveraging tragen ebenfalls wesentlich bei.

Kopfrechnen für LBO-Renditen

Eine Verdopplung des Equity in fünf Jahren entspricht etwa 15 % IRR, eine Verdreifachung etwa 25 % und eine Vervierfachung etwa 32 %. Diese Werte eignen sich als schneller Plausibilitätscheck.

Verhaltensfragen

Fit-Fragen sind am Superday genauso wichtig wie Technicals. Bewertet werden echte Motivation, klare Kommunikation, Selbstreflexion und Zusammenarbeit.

Die STAR-Struktur

Nutze Situation, Aufgabe, deine konkrete Handlung und messbares Ergebnis. Halte Geschichten bei ungefähr 90 Sekunden und übe, bis sie natürlich statt auswendig gelernt klingen.

Empfohlen

Konkrete reale Projekte, Deals und Personen nennen

Ergebnisse wenn möglich quantifizieren

Den eigenen Beitrag mit „ich“ statt nur „wir“ erklären

Fünf bis sieben flexible Geschichten vorbereiten

Aktuelle Deals, Sektorstärken und Gespräche bei der Bank konkret ansprechen

Vermeiden

Austauschbare Aussagen wie „fleißig und detailorientiert“ geben

Länger als etwa 90 Sekunden abschweifen

Vergütung als Hauptmotivation nennen

Frühere Arbeitgeber oder Kollegen schlecht darstellen

Deals oder Erfahrungen erfinden, die Nachfragen nicht standhalten

Interviewprozess

Wer die Recruiting-Struktur kennt, kann für jede Phase das passende Material vorbereiten und wird vom Format nicht überrascht.

Typische Recruiting-Phasen

1

Online-Bewerbung und Resume Screen: Lebenslauf, Noten und Hochschulfilter; Networking kann vor der Bewerbung eine Empfehlung schaffen.

2

HireVue oder Videoaufnahme: drei bis fünf Fit-Fragen mit kurzer Vorbereitung und begrenzter Antwortzeit; vorher vor der Kamera üben.

3

Erste Runde: ein bis zwei Telefon- oder Videogespräche zu Fit und leichteren Technicals.

4

Superday: vier bis acht aufeinanderfolgende Interviews mit Analysts bis MDs, teilweise inklusive Case oder Modelltest.

5

Offer und kurze Entscheidungsfrist: Präferenzen sollten vor dem Superday geklärt sein.

Superday-Strategie

Behandle jedes Gespräch als entscheidend. Auch Analysts haben häufig erheblichen Einfluss auf Fit-Entscheidungen; sei gegenüber jeder Seniorität gleich aufmerksam und vorbereitet.

Häufige HireVue-Fehler

Lies nicht sichtbar von Notizen ab, überschreite die Zeit nicht und blicke in die Kamera statt auf das eigene Bild. Nimm Übungsantworten auf und prüfe Klarheit, Blickkontakt und Tempo.

Gute Fragen an Interviewer

Was hat dich an der Arbeit hier gegenüber deinen Erwartungen am meisten überrascht?

Bei welchen Transaktionstypen war die Gruppe zuletzt besonders aktiv?

Wie entwickelt und befördert die Bank Associates?

Was unterscheidet einen starken First-year Analyst?

Gibt es etwas in meinem Lebenslauf, das ich vertiefen sollte?

Vorbereitungsstrategie

Ein strukturierter Plan ist wirksamer als kurzfristiges Pauken. Vier bis sechs Wochen sind für die meisten Kandidaten ein sinnvoller Zeitraum.

Vierwöchiger Vorbereitungsplan

1

Woche 1: Drei Abschlüsse und Szenarien zu Abschreibung, Working Capital und Deferred Revenue sicher beherrschen.

2

Woche 2: Comps und Precedents selbst aufbauen, DCF ohne Notizen erklären und WACC-Komponenten beherrschen.

3

Woche 3: Accretion/Dilution durcharbeiten, einfaches LBO bauen und Renditetreiber in zwei Minuten erklären.

4

Woche 4: Fünf bis sieben Fit-Geschichten festigen, mindestens drei ehrliche Mock Interviews durchführen und aktuelle Deals verfolgen.

Nutze Active Recall statt passivem Lesen

Schließe den Leitfaden und erkläre jedes Konzept laut aus dem Gedächtnis. Nimm Antworten auf, um Füllwörter, Tempo und Unsicherheiten zu erkennen.

Ressourcen

Breaking Into Wall Street (BIWS) für IB-Modellierung

Vault Guide to Finance Interviews für Rechnungswesen und Bewertung

Wall Street Prep für M&A und LBO

WSJ, Bloomberg und Financial Times für Deals und Märkte

Mergermarket oder Refinitiv für Deal-Daten

Interview Pilot für realistische mündliche Übung

Vernachlässige Networking nicht

Eine interne Empfehlung erhöht bei vielen Banken die Interviewchance. Beginne acht bis zwölf Wochen vor Bewerbungsstart mit kurzen, gut vorbereiteten Gesprächen und einem konkreten Follow-up.

Übe diese Fragen live

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